Mit der Fähre von der Ernst-August-Schleuse in Wilhelmsburg bis zu den Landungsbrücken. Wind um die Nase, wunderschöne Blicke auf Hamburgs Skyline, die Elbe und den Hafen… – ich liebe es! Leider fährt die Fähre 73 viel zu selten und ist deshalb bisher keine ernsthafte Alternative zur überfüllten S-Bahn. Doch wenn es nach dem Willen von Kerstin und Philine geht, sollte sich das dringend ändern!

Eine tägliche Fährverbindung zwischen Ernst-August-Kanal und Landungsbrücken sowie eine bessere, auf den Busfahrplan abgestimmte Taktung – das ist die Vision von Kerstin und Philine von der Initiative “7×73”. Gemeinsam mit anderen gut vernetzten Unternehmerinnen aus Wilhelmsburg setzen sich die beiden seit 2017 mit Witz und kreativen Aktionen für eine Ausweitung des Fährbetriebes der Linie 73 ein. Philine erzählt: „Wir haben Freude dabei und das ist uns auch sehr wichtig“. Und ich finde das merkt man!

Bild 3_Eine Fährtfahrt die ist lustig, eine Fährfahrt die ist schön! (Jo Larsson)

Bild 2_Mit vollem Einsatz für die Linie 73 (Jo Larsson)

Bild 1_Leinen los ab der Ernst-August-Schleuse (Hansen)

Im April leuchteten mir von überall im Reiherstiegviertel neonorange Plakate mit Sprüchen wie „Wir machen Ernst-August“ oder “Fährst Du?” entgegen. Damit machte die Initiative “7×73” auf die neue Webseite aufmerksam, die den Fahrplan der Fähre 73 und aktuelle Störungsmeldungen bereithält. Höhepunkt im April war die „Fähre in den Mai“. Nach einem Konzert der mitreißenden Tinnitussis am Fähranleger Ernst-August-Schleuse ging es bei ausgelassener Stimmung auf Richtung Landungsbrücken, musikalisch untermalt von Tingel, Mounir, René und Maddin mit seinem plattdeutschen Rap. Diese Aktion war „Richtig cool, einfach großartig“ schwärmt Kerstin noch Monate später mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht.

Bereits im Jahr 2017 gab es an sieben Freitagen bunte Aktionen auf der Fähre 73 und 6.200 Unterschriften für den Ausbau der Fährverbindung 73 wurden an die Politik überreicht. Das Thema wurde in verschiedenen Gremien diskutiert. Damals sprachen sich alle Fraktionen im Bezirk Hamburg-Mitte für einen Ausbau und damit für den Fährbetrieb am Wochenende aus. Doch das Vorhaben wurde laut der Initiative “7×73” von der zuständigen Verkehrsbehörde abgelehnt, da dies nicht wirtschaftlich sei.

Ein Ausbau der Fährlinie 73 ist also bisher nicht in Sicht, obwohl es viele gute Argumente dafür gibt: Die Fähre ist nicht nur die schönste, sondern auch die schnellste Verbindung in die Stadt. Zudem sind die Ticketpreise des HVV für diese Route sogar günstiger. Und schon jetzt ist die Fähre besonders für viele Radfahrer, Eltern mit Kinderwagen und auch Rollstuhlfahrer eine komfortable Alternative zur überfüllten S-Bahn.

Der Freizeitverkehr lockt inzwischen viele Menschen zu Veranstaltungen und Entdeckungstouren auf die Insel. Doch laut dem Fährenbetreiber HADAG lohnt sich der Betrieb der Fähre 73 am Wochenende nicht, denn die Fahrgastzahlen unter der Woche ließen darauf schließen, dass es sich bei den Fahrten um Arbeitswege handle und die Fähre folglich am Wochenende nicht genutzt würde. Philine und Kerstin finden, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden. Sie sind nach wie vor überzeugt davon, dass sowohl die Insulaner als auch Besucher der Elbinsel diese schöne Option auch am Wochenende gerne nutzen würden.

Ein weiteres Argument der HADAG gegen eine Ausweitung des Fährbetriebs der Linie 73 sei, dass ihr primärer Auftrag ist Hafenarbeiter über die Elbe und zu ihrer Arbeitsstelle zu bringen. Doch wie passt das mit der Fährlinie 72 zusammen, die täglich von den Landungsbrücken bis zur Elbphilharmonie fährt…?

Fest steht, dass sich die Bedarfe stetig ändern und es Zeit ist für ein neues Fährenkonzept. Im Zuge dessen wäre es sinnvoll auch eine Verlängerung der Fährlinie 73 bis zur Veddel in Erwägung zu ziehen, um die S-Bahnlinie 3 und den 13-er Bus im wachsenden Stadtteil zumindest teilweise zu entlasten.

Philine und Kerstin und die anderen Frauen von der Initiative “7×73” werden sich weiterhin dafür einsetzen, dass die Wasserverbindung über die Fährlinie 73 als attraktive Alternative ausgebaut wird. Bei diesem Vorhaben kann man sie ganz einfach unterstützen: mit viel Fährefahren und Weitersagen! Denn mehr gezählte Fahrgäste zeigen, dass der Bedarf groß ist. Und ich finde zu unserer Elbinsel Wilhelmsburg gehört einfach auch eine verlässliche Fährverbindung aufs Festland. In diesem Sinne: Schiff ahoi!

 

Fährt sie? Den Fahrplan und aktuelle Abweichungen gibt es hier: www.fährtsie.de